Logo

Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen

toggle menu


Für Journalisten

Presseaussendungen

26.07.2017

AUSTROMED vertritt Interessen der In-vitro Diagnostik

Nach der Auflösung des ÖDGH ist die AUSTROMED neuer Ansprechpartner und Interessensvertretung für Unternehmen der In-vitro Diagnostik 

Mit Ende Juni 2017 wurde der ÖDGH, der Verband der österreichischen Diagnostica- und Diagnosticageräte-Hersteller, offiziell aufgelöst. Die AUSTROMED – die Interessensvertretung der Medizinprodukte Unternehmen Österreichs – übernimmt dessen Aufgaben und ist ab sofort auch die Interessensvertretung der In-vitro Diagnostik. „Bereits seit einigen Jahren zählen auch Unternehmen aus dem Bereich der In-vitro Diagnostik zu unseren Mitgliedern - durch die Auflösung des ÖDGH ist dieser Bereich stark gewachsen und wir haben eine schlagkräftige Branchengruppe "In-vitro Diagnostik" gegründet. Mit dieser gebündelten Kraft können wir die Interessen noch effizienter als schon bisher vertreten“, so AUSTROMED-Präsident Gerald Gschlössl.

Der ÖDGH verstand sich als ethische und wirtschaftliche Instanz und verpflichtete sich zu Qualität und Innovation. Dieses Selbstverständnis ist auch jenes der AUSTROMED. Bereits im Frühjahr 2014 wurde die damals schon bestehende Zusammenarbeit mit AUSTROMED durch eine enge Partnerschaft in Form einer korrespondierenden Mitgliedschaft vertieft. Der Anstoß dazu wurde auf europäischer Ebene gegeben, als die Dachverbände der beiden Interessenvertretungen – EDMA (European Diagnostic Manufacturers Association) und EUCOMED (European Medical Technology Industry Association) – eine Allianz namens „MedTech Europe“ eingegangen sind. Dies hat nicht nur Vorteile für die Mitglieds-Unternehmen, sondern auch für das Gesundheitswesen durch einen vereinten Ansprechpartner für die gesamte Branche.

Dr. Ulrike Blaseio, bis zur Auflösung stellvertretende Obfrau des ÖDGH und kooptiertes Vorstandsmitglied der AUSTROMED:  „Die Zusammenarbeit mit der Austromed birgt große Chancen für die Diagnostikindustrie einerseits und auch für die Anwender von In-vitro Diagnostika in medizinischen Laboren. In unserem sich schnell wandelnden Umfeld liegen  die herausfordernden Aufgaben  bei der AUSTROMED in sehr guten Händen und bringen massive Synergien in der  Interessensvertretung mit sich. Ich bin davon überzeugt, dass dies für die In-vitro Diagnostik Branche auf Hersteller- und auf Kundenseite positive Auswirkungen haben wird.“


15.06.2017

Ganz Europa feiert die „MedTechWeek 2017“

Österreich-Roadshow im Rahmen der größten Medizinprodukte-Veranstaltungsreihe Europas

Vom 19. bis 23. Juni 2017 findet in ganz Europa die „MedTechWeek“ mit einer Vielzahl von Veranstaltungen rund um das Thema „Medizinprodukte“ statt. Insgesamt beteiligen sich Unternehmen und Verbände aus 18 europäischen Ländern – von Schweden bis Portugal und von Irland bis Polen – an der größten Medizinprodukte-Veranstaltungsreihe Europas. AUSTROMED veranstaltet im Rahmen der MedTechWeek eine Roadshow quer durch Österreich, welche die Öffentlichkeit über den großen Nutzen für Patienten und das Gesundheitswesen, die hohe Qualität und Sicherheit der Produkte sowie die Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Österreich informiert. AUSTROMED-Geschäftsführer Mag. Philipp Lindinger: „Innovative Medizinprodukte sind unverzichtbar für das Leben - sowohl für lebensrettende Maßnahmen, für die Erkennung, Verhütung, Überwachung, Behandlung und Linderung von Krankheiten als auch bei Verletzungen oder Behinderungen. Der laufende technologische Fortschritt erhöht die Lebensqualität der Menschen und leistet einen wesentlichen Beitrag zu unserem hochwertigen Gesundheitswesen.“ 

Der Begriff "Medizinprodukt" ist für viele Menschen noch eine Unbekannte, obwohl viele der rund 500.000 unterschiedlichen Produkte bereits zur Alltäglichkeit gehören. Die Bandbreite ist enorm: Medizinprodukte beginnen beim einfachen Wundpflaster, gehen über Verbandstoffe, Implantate, Hörgeräte, Herzschrittmacher, In-vitro Diagnostika bis hin zu Großgeräten, wie etwa MRTs. 

Die Roadshow startet am kommenden Montag, den 19. Juni in Oberösterreich beim EKZ in Haid. Am Dienstag, den 20. Juni ist das AUSTROMED-Info-Team in Salzburg beim Designer Outlet McArthurGlen anzutreffen. Am Mittwoch, den 21. Juni ist Tirol mit dem DEZ Innsbruck an der Reihe. Im Einkaufszentrum Südpark in Klagenfurt wird am Donnerstag, den 22. Juni über Medizinprodukte informiert. Der Abschluss der Roadshow findet am Freitag, den 23. Juni beim Grazer Shopping Center West statt. Interessierte sind herzlich eingeladen an den jeweiligen Veranstaltungsorten vorbeizukommen und sich umfassend zum Thema Medizinprodukte zu informieren. Um den Menschen die Unverzichtbarkeit von Medizinprodukten eindrucksvoll zu erklären, wird zusätzlich im Rahmen der Roadshow täglich eine Social Media Story veröffentlicht.   

„Moderne Medizinprodukte helfen nicht nur den Menschen, sondern reduzieren auch die Folgekosten für den Staat und die Gesellschaft. durch Mit der Teilnahme an der MedTechWeek wollen wir der breiten Öffentlichkeit einen Einblick in die Welt der Medizinprodukte geben“, so Mag. Philipp Lindinger.


26.04.2017

Sauber und transparent - Medizinprodukte-Branche gibt sich strengere Regeln

Neuer AUSTROMED-Kodex konkretisiert Beziehung zwischen Lieferanten, Beschaffern und Anwendern von Medizinprodukten

Medizinprodukte sind unverzichtbar für das Leben und unser Gesundheitssystem. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Beschaffern und Anwendern ist für die Forschung ebenso wie für eine kontinuierliche Weiterentwicklung dieser Produkte unverzichtbar. In diesem Zusammenhang ist es unerlässlich die Beziehungen zwischen Herstellern, Beschaffern und Anwendern von Medizinprodukten klar zu regeln. Ende März wurde in der AUSTROMED-Hauptversammlung die neue Fassung des Kodex mit einstimmigem Beschluss verabschiedet. Diese Neufassung beinhaltet nicht nur die Bestimmungen des Strafrechtsänderungsgesetzes, sondern ist auch auf den „Code of Ethical Business Practice“ der Europäischen Dachorganisation „MedTech Europe“ abgestimmt. AUSTROMED Geschäftsführer Mag. Philipp Lindinger: „Die enge Zusammenarbeit von Anwendern und Medizinprodukte-Unternehmen ist im Medizinproduktegesetz als Know-how-Transfer verankert und sogar verpflichtend vorgeschrieben. Der Medizinprodukte-Branche wird es dadurch ermöglicht, notwendige Innovationen zeitgerecht zum Patienten zu bringen und darf nicht mit Korruption gleichgesetzt werden. Umso wichtiger ist es deshalb, diese Beziehungen sauber und transparent zu regeln.“ 

Unter dieser Zusammenarbeit sind z.B. Beraterverträge, Aus-, Fort- und Weiterbildungen, Spenden bzw. Sponsoring oder anderen Sachzuwendungen, aber auch Bewirtungen zu verstehen. Es gelten ab sofort noch exaktere und strengere Regeln als bisher. Künftig müssen alle Leistungen schriftlich dokumentiert und begründet werden. Verstöße gegen diese freiwillige Selbstverpflichtung werden – unabhängig von straf- oder zivilrechtlichen Verfahren – durch ein Schiedsgericht entsprechend geahndet. Mag. Philipp Lindinger: „Mit dem neuen AUSTROMED-Kodex wird die gesamte Bandbreite der Zusammenarbeit inner- und außerhalb der Branche geregelt. Sie gilt von der Einladung auf einen Kaffee, über einen Beratungsvertrag eines Arztes bis zum Millionen Euro teuren Forschungsprojekt, das z.B. in Kooperation mit einer Universitätsklinik umgesetzt wird.“ 

Innovationen mit hohem ethischem Standard  

Im neuen Kodex wird besonderes Augenmerk auf Forschung- und Entwicklungsprojekte gelegt. Dabei steht die Sicherheit aller an den Projekten beteiligten Personen im Mittelpunkt. Noch strenger geregelt als schon bisher wird künftig die Finanzierung solcher Projekte, wenn sie in Zusammenarbeit mit Ärzten, Apothekern und anderen Personen des öffentlichen Gesundheitswesen stehen. So ist ein direkter Zusammenhang zwischen Vergabe und dem Volumen von Forschungsaufträgen von Medizinprodukten auszuschließen. Die Durchführung eines Forschungsauftrages durch eine ausgewählte Einrichtung des Gesundheitswesens bzw. deren Mitarbeiter muss transparent begründet werden. Verträge müssen künftig schriftlich unter genauer Angabe der zu erbringenden Leistungen und der Vergütung abgeschlossen werden. Zusätzlich sind die Konten (sogenannte Drittmittelkonten) anzugeben, über die die Finanzierung erfolgt.  

AUSTROMED Präsident Gerald Gschlössl: „Innovationen, die Menschen helfen, rasch wieder gesund zu werden, sind unser tägliches Geschäft. Mit dem Kodex wollen wir erreichen, dass diese Innovationen nicht nur funktionell, sondern auch ethisch dem hohen Standard unserer Zeit entsprechen.“ 

Der AUSTROMED-Kodex ist unter www. austromed.org abrufbar. Zusätzlich wird er durch einen ausführlichen Fragen/Antworten-Katalog ergänzt, der über zahlreiche Spezialfälle Auskunft gibt und als Interpretationshilfe dient. Mag. Philipp Lindinger abschließend: „Die AUSTROMED Mitglieder haben sich verpflichtet den Kodex einzuhalten. Er enthält detailliert die zentralen Inhalte der einschlägigen korruptionsstrafrechtlichen Bestimmungen, des Medizinprodukte-Gesetzes (MPG), des Verhaltenskodex der Ärztekammer und der Richtlinien der Universitäten. Somit können die strengen Verhaltensrichtlinien des AUSTROMED-Kodex auch für alle anderen nationalen Medizinprodukte-Unternehmen herangezogen werden.“ 


06.04.2017

EU-Parlament beschließt neue EU-Verordnungen für Medizinprodukte

Ein Plus an Sicherheit, aber auch mehr Bürokratie und höhere Kosten

Gestern Nachmittag, 5. April 2017, hat das EU-Parlament nach langen, zähen Verhandlungen die neuen EU-Verordnungen für Medizinprodukte und In-Vitro-Diagnostika verabschiedet. AUSTROMED begrüßt diesen Beschluss grundsätzlich, damit einheitliche Regelungen innerhalb Europas gewährleistet werden. AUSTROMED Präsident Gerald Gschlössl: „Der Grundgedanke der Neuregelungen ist es, die Patientensicherheit noch weiter zu erhöhen. Dies hat man sicherlich erreicht, wobei nicht alle neuen Anforderungen einer höheren Patientensicherheit dienlich sind. Erreicht hat man aber auch, dass der Gesundheitswirtschaft mit diesen Verordnungen zusätzliche Hürden auferlegt werden. Vor allem den heimischen Klein- und Mittelbetrieben, aber auch den vielen Start-ups, wird es nun viel schwerer gemacht, ihre neuen Produkte auf den Markt zu bringen. Österreich hat schon vorab auf einen Schlag alle seine Zertifizierungsstellen (Benannte Stellen) verloren, da die höheren Anforderungen an diese Stellen unfinanzierbare Investitionen notwendig gemacht hätten.“ Mit den neuen EU-Verordnungen werden von den Herstellerbetrieben viele zusätzliche Berichte, Pläne und Überprüfungen verlangt, die eine Entwicklung von Innovationen extrem aufwendig – für kleine finanzschwache Betriebe oft sogar unrentabel – machen. Zahlreiche Produkte bestimmter stofflicher und chirurgisch-invasiver Medizinprodukte sowie der In-Vitro-Diagnostika werden künftig höher bzw. neu klassifiziert, wodurch sich die Auflagen, z.B. aufgrund notwendig gewordener Erbringung von klinischen Studien, drastisch erhöhen.

Innovative Produkte: Bitte warten…

Gerald Gschlössl: „Wer gerade beginnt an einem innovativen Medizinprodukt zu forschen, kann sich bereits auf die neue Situation einstellen. Kompliziert ist es für jene Betriebe, die die Zertifizierung bestehender Produkte verlängern wollen bzw. deren Produkte kurz vor der Marktreife stehen. Nicht nur, dass sie erst einmal eine Benannte Stelle in Europa finden müssen, die sie aufnimmt. Dort herrscht Mangel an Fachpersonal und Großunternehmen in örtlicher Nähe sind weit attraktiver als ein kleiner Betrieb irgendwo in der Alpenrepublik. Die Kosten der Zertifizierung sind für österreichische Unternehmen seit 2016 um ein Vielfaches gestiegen und die Sprachbarriere ist vor allem bei komplizierten technischen Geräten ein Hindernis. Ich befürchte, dass viele österreichische Produkte vom Markt verschwinden werden. Fest steht jetzt schon, dass Innovationen künftig langsamer das Gesundheitssystem erreichen werden. Schlussendlich ist es der Patient, der darunter leiden wird.“

AUSTROMED will Gesundheitsministerium bei neuem Gesetz unterstützen

Die neuen EU-Verordnungen sind zwar unmittelbar geltendes Recht, müssen aber dennoch innerhalb der vorgesehenen Umsetzungsfristen in nationales Recht implementiert werden. Gschlössl abschließend: „In Deutschland hat man bereits einen nationalen Arbeitskreis initiiert, bei dem alle von den neuen EU-Verordnungen betroffenen Parteien zusammenarbeiten, um einen gemeinsamen Weg zu finden, der die Hemmnisse für deutsche Unternehmen auf ein Minimum reduziert. Das österreichische Gesundheitsministerium sollte diesem Beispiel folgen, sodass am Ende des Entwicklungsprozesses garantiert werden kann, dass die Branche das neue Regelwerk mittragen wird. AUSTROMED ist gerne bereit die Experten im Gesundheitsministerium bei dieser Arbeit tatkräftig zu unterstützen.“


30.03.2017

AUSTROMED: Österreich braucht wieder eine Benannte Stelle

Wegfall belastet Wirtschaftsstandort und Medizinprodukte-Branche massiv – Zertifizierung im Ausland ist Hemmschuh heimischer Innovationen

„Mit dem Wegfall der beiden österreichischen Benannten Stellen ist die heimische Medizinprodukte-Branche auf Zertifizierungen durch ausländische Institute angewiesen. Das bedeutet eine massive Verschlechterung für viele Start-ups sowie Klein- und Mittelbetriebe, die durch diesen Standortnachteil im internationalen Wettbewerb zurückzufallen drohen. Österreich braucht rasch wieder eine Benannte Stelle. „AUSTROMED fordert daher die Politik auf, hier so schnell wie möglich entsprechende Maßnahmen zu setzen„, so AUSTROMED Präsident Gerald Gschlössl anlässlich der gestrigen AUSTROMED Hauptversammlung.

Medizinprodukte als Erfolgsbeispiel für den Hochtechnologiestandort Österreich

Unter dem Titel „Medizinprodukte als Erfolgsbeispiel für den Hochtechnologiestandort Österreich“ fand im Anschluss an die Hauptversammlung der AUSTROMED im Van Swieten Saal der MedUni Wien eine gemeinsame Veranstaltung von LISAvienna und der Österreichischen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (ÖGBMT) statt. In ihrem Begrüßungsstatement bezog sich Gastgeberin DI Dr. Michaela Fritz, Vizerektorin der MedUni Wien, auf die Hemmnisse von Innovation aus Universitäten bzw. Start-ups, die in vielen Fällen an der Finanzierung scheitern, oft aber auch den Weg auf den Markt nicht schaffen und hier Unterstützung benötigen würden.

Als Einleitung zum Thema präsentierte Prof. Dr.med. Oskar Aszmann von der MedUni Wien beeindruckende Details und interessante Hintergründe über die österreichische Entwicklung der international einmaligen Bionic Hand, die erst durch die Entschlüsselung der Sprache der Hand möglich wurde. 

Das Thema aus wirtschaftlicher Sicht betrachtete Jürg Zürcher, Managing Partner von Ernst & Young Biotech/Medtech. Er zeigte anhand der Ergebnisse des aktuellen Medtech Reports 2016, dass die Branche vor einem Umbruch und großen Herausforderungen steht und dass sich dadurch jedoch auch enorme Chancen ergeben, die gerade innovativen Unternehmen viele Möglichkeiten bieten. 

Konsequenzen der neuen EU-Verordnungen

In einer spannenden Podiumsdiskussion wurde über Innovationen aus Österreich und den verschiedenen Regulatoren gesprochen, die diese be- und oft sogar verhindern. Gerald Gschlössl: „Österreich ist in den letzten Jahren vom Innovationstreiber zum Slow Follower geworden. Das hat viele Gründe. Ein wesentlicher Aspekt ist eine mangelhafte Ausbildung. Unser Ziel muss es sein, dass die ganze Gesellschaft beginnt innovativ zu denken.“ 

Sektionschef Mag. Dr. Andreas-Ulrich Schuh aus dem Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft betonte vor allem wie wichtig es ist, gemeinsam und mit der richtigen Energie an die Dinge heranzugehen. Sektionschef Schuh: „Positive Stimmung ist ein wichtiger Faktor für Innovationen. Die Medizintechnik ist eine wesentliche Säule der Life Science-Strategien. Unser Ziel muss es sein, mit dem enormen vorhandenen Wissen entsprechende Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu schaffen. Nun gibt es gerade neue Richtlinien und neue Strukturen. Österreich hat – wie auch andere europäische Länder – bei den Benannten Stellen eine Übergangsphase zu bewältigen. Grundsätzlich handelt es sich um ein EU-Thema. Um das Problem hierzulande rasch zu lösen, ist es wichtig, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen.“

Dr. Herwig Ostermann, Geschäftsführer Gesundheit Österreich: „Die aktuelle Frage ist: Wie bewerten wir Innovationen? Das Problem ist es, den verbesserten Nutzen den jeweiligen Kosten gegenüber zu setzen. Viele Entscheidungen finden im Grenzbereich statt und sind daher extrem schwierig. Wichtig ist es, mit den Ressourcen sparsam umzugehen, damit für die wirklich bahnbrechenden Innovationen Mittel zur Verfügung stehen.“ 

Die neuen EU-Verordnungen haben auch eine wesentliche Auswirkung auf die universitäre Ausbildung und anwendungsorientierte Forschung. „Vor allem die vielen Inhouse-Products sind von den neuen EU-Verordnungen betroffen. Das hat massive Auswirkungen auf die Ausbildung, da man hier sehr stark auf die Theorie zurückgehen muss und Studenten nur wenig praktische Erfahrung sammeln können. Insgesamt werden Regulatorien dann zum Problem, wenn Produkte vom Markt verschwinden oder innovative neue Produkte Jahre später am Markt ankommen. Das geht dann echt zu Lasten der Patienten. Das müssen wir verhindern“, so Prof. DI Dr. Winfried Mayr, Präsident ÖGBMT im Rahmen der Podiumsdiskussion.

Über seine Erfahrungen aus der Entwicklung einer mobilen Software für Diabetes Management, die in Österreich entwickelt und als Medizinprodukt der Klasse I und teilweise II in über 50 Länder vertrieben wird, berichtete Fredrik Debong, Head of Research & Development mySugr: „In Österreich haben wir durch die Größe den Vorteil, dass man sofort Leute erreichen kann. Aber gleichzeitig erreicht man durch einen Vertrag mit zwei Deutschen Kassen die gesamte Populationsmenge von Österreich – die Größe ist also Fluch und Segen gleichzeitig.“ Abschließend beurteilte Debong die massive Abwanderung junger Ärzte ins Ausland als enormes zukünftiges Risiko. 

v.l.n.r.: Gerald Gschlössl/AUSTROMED, DI Peter Halwachs (LISAvienna), Fredrik Debong (MySugr), DI Dr. Michaela Fritz (MedUni Wien), Dr. Ulrich Schuh (BMWFW), Prof. Dr. Oskar Aszmann (MedUni Wien - Bionic Hand), Dr. Herwig Ostermann (GÖG), Prof. Winfried Mayr (ÖGBMT), lic.oec. HSG Jürg Zürcher (Ernst & Young)

09.03.2017

AUSTROMED gratuliert Pamela Rendi-Wagner zur Bestellung zur Gesundheitsministerin

Vorstand und Geschäftsführung von AUSTROMED, der Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen, gratulieren Dr. Pamela Rendi-Wagner herzlich zur Bestellung zur Gesundheitsministerin und wünschen ihr viel Erfolg im neuen Aufgabenbereich.  

AUSTROMED-Präsident Gerald Gschlössl: „Frau Dr. Rendi-Wagner hat sich bereits in den vergangenen Jahren durch ihre hervorragende fachliche Expertise und ihr lösungsorientiertes Vorgehen ausgezeichnet. Die österreichische Medizinproduktebranche steht derzeit aufgrund neuer EU-Verordnungen und dem Wegfall der für die Zulassung neuer Produkte zuständigen österreichischen Benannten Stellen vor großen Herausforderungen. Wir sind aber davon überzeugt, dass wir mit Rendi-Wagner die vielen offenen Fragen klären können und freuen uns bereits jetzt auf eine erfolgreiche und konstruktive Zusammenarbeit.“


09.11.2016

Medizinproduktebranche in der Innovationsfalle

AUSTROMED-Herbstgespräche 2016: Medizinprodukte: besser, sicherer, hochwertiger – und trotzdem billiger!?

Das heimische Gesundheitssystem benötigt immer hochwertigere und sicherere Medizinprodukte. Dafür steht aber kaum mehr Geld zur Verfügung. Das führt langfristig dazu, dass Patienten moderne Produkte verwehrt werden, die jedoch Krankheitszeiten und Kosten reduzieren würden. Bei den gestern, Mittwoch, in Wien stattgefundenen AUSTROMED-Herbstgesprächen 2016 wurden mögliche Auswege aus der Innovationsfalle gesucht, in der das Gesundheitswesen und die österreichische Medizinproduktebranche stecken. AUSTROMED-Präsident Gerald Gschlössl: „Mit innovativen Medizinprodukten kann das Gesundheitssystem langfristig Kosten einsparen. Unser Ziel muss es sein, Methoden zu finden, die es ermöglichen, die Ersparnisse durch innovative Produkte in Zahlen zu fassen. Derzeit werden noch immer hauptsächlich die Stückkosten betrachtet und nicht die Prozesskosten.“

Qualität kommt vor Kosten

In seiner Keynote betrachtete der Schweizer Gesundheitsökonom Dr. Willy Oggier die Gesundheitssysteme in Europa und zeigte dabei deutlich auf, dass in Österreich vor allem noch von der Gesundheitspolitik zu klären ist, welche Ziele wir haben und mit welchen Rahmenbedingungen diese erreichbar sind. Vor allem angesichts einer immer weiter alternden Gesellschaft, bei der die Versorgung an Bedeutung gewinnt, muss die Wirksamkeit der Maßnahmen vor der Wirtschaftlichkeit gereiht werden. Mit den Worten: „Qualität kommt vor Kosten“ und „Nichts tun ist keine Alternative“ brachte es Dr. Oggier auf den Punkt. Er kritisierte in seinem Vortrag vor allem den mangelnden Willen, eine Strukturdiskussion im Gesundheitswesen zu führen und forderte einen raschen Kultur- und Strukturwandel, da sonst Österreich im internationalen Vergleich noch weiter abrutschen wird.

Im Anschluss an die Keynote diskutierte das Podium unter der Leitung von Doris Nentwich das Spannungsfeld zwischen beschränkten Budgets, dringend notwendigen medizinischen Innovationen einer Branche, die enorme finanzielle Ressourcen für Forschung und Entwicklung aufbringen muss, aber diese Kosten kaum mehr erstattet bekommt. Dr. Claudia Wild, Leiterin des Instituts für Health Technology Assessment des Ludwig Boltzmann Institut betonte in der Diskussion, dass sie in der neuen EU-Medizinprodukteverordnung eine Chance sieht. Wild: „Verschärfte Vorschriften und die höhere Datentransparenz für die Zulassung von Hochrisikoprodukten könnten sich so positiv auf das Health Technology Assessment auswirken.“ 

Wege zu innovativen Produkten und Effizienzsteigerungen

In der Diskussion wurde nicht nur über neue Finanzierungsformen diskutiert, sondern auch über ein verändertes Patientenverhalten – zum Beispiel auf Grund der besseren Informationsmöglichkeiten per Internet. Dabei war auch die Idee einer freiwilligen Selbstbeteiligung der Patienten, um noch bessere Produkte zu erhalten. Dr. Alexander Biach, WGKK, Stellvertreter der Obfrau und Stv. Direktor der WK Wien: „Innovative Medizinprodukte sind für Krankenkassen vor allem dann wichtig, wenn sie Untersuchungs- und Behandlungsmethoden der Patienten nachweislich verbessern oder kostengünstiger machen. Im Zentrum steht eine möglichst hochwertige Versorgung, die durch die finanziellen Möglichkeiten des Sozialversicherungssystems natürliche Grenzen hat. Eine darüber hinausgehende Versorgung mit speziellen, kostenintensiven Produkten könnte künftig noch stärker durch Beteiligung anderer Systempartner erfolgen.“

Vor allem die Erfahrungsberichte aus der Praxis und neue Methoden, um die Schere zwischen Budgetknappheit und Nutzen aus innovativen Produkten stießen bei den Gästen der Veranstaltung auf reges Interessen. Prof. Dr. Sylvia Schwarz, Präsidentin des Obersten Sanitätsrats: „Standortbegrenzung und Zentrumsbildung sind wesentliche Schritte zur Effizienzsteigerung im Krankenhausbereich. Die Konzentration medizinischer Leistungen steigert die Qualität der Patientenversorgung und garantiert eine hochwertige medizinische Ausbildung für die zukünftige Ärzteschaft.“ 

Optimale Produkte für die Patienten stehen im Mittelpunkt

Christian Schauer, NÖ Landeskliniken-Holding, Abteilungsleiter Einkauf: “Durch eine neue Innovationsrichtlinie versuchen wir gezielt Innovationen in das System einzuschleusen. Dabei soll der Nutzen für den Patienten über verschiedene Wege ermittelt werden, um so rechtzeitig im Vorfeld finanzielle Vorkehrungen für die Zukunft treffen zu können. Besonders wichtig ist dabei, dass die neuen Produkte auf die Anwender optimal zugeschnitten sind. Transparenz und Daten sind dabei wichtig um spezielle Themen voranzutreiben. Ein gutes Beispiel ist hier etwa die Entscheidung zwischen Ein- oder Mehrwegprodukten.“

AUSTROMED Präsident Gschlössl abschließend: „Österreich ist gezwungen Innovationen voranzutreiben, denn eine Verweigerung würde zu unüberschaubaren gesellschafts-politischen Problemen führen. Unser Ziel muss eine Partnerschaft sein, bei der die Medizinproduktebranche direkt auf den Bedarf des Gesundheitswesens eingehen kann und so sowohl der Patient als auch die bezahlende Stelle eine optimales Produkt erhält.“ 

Die diesjährigen Herbstgespräche waren ein außerordentlicher Erfolg. Über 100 Gäste nahmen an der Veranstaltung teil und nutzten im Anschluss an die Podiumsdiskussion die Möglichkeit zu einem angeregten Erfahrungsaustausch und Netzwerken.

v.l.n.r.: Dr. Willy Oggier, Prof. Dr. Sylvia Schwarz, Christian Schauer, Dr. Claudia Wild, Dr. Alexander Biach, Gerald Gschlössl

Fotocredit: Sabine Klimpt

22.09.2016

„State of the Art“ oder Abrutschen ins Mittelfeld?

Die kommenden Wochen und Monate sind wegweisend für die künftige Gesundheitsversorgung in Österreich. Gerade im Bereich der Medizinprodukte stehen zahlreiche Entscheidungen an, die zeigen werden, ob der aktuell im internationalen Vergleich hohe Versorgungslevel in Österreich auch weiterhin gehalten werden kann. 

Die Gefahr für das heimische Gesundheitswesen bei der Versorgung mit Medizinprodukten lauert gleich auf mehreren Ebenen. AUSTROMED Präsident Gerald Gschlössl: “Innovative Medizinprodukte verkürzen die Heilungszeit der Patienten und ermöglichen eine raschere Rückkehr ins normale Leben. Sparen am falschen Platz, ein unerträglich gewordener Preisdruck und Regeln, die die Forschung in Europa verlangsamen und verteuern, belasten die gesamte Medizinproduktebranche.“

EU-Medizinprodukteverordnung bringt kleinere Unternehmen in Gefahr

Mit der neuen Medizinprodukteverordnung hat sich die EU das Ziel gesetzt, die Sicherheit für Patienten weiter zu erhöhen. Höhere Qualität soll damit den Patienten zugutekommen. Für viele Hersteller von Medizinprodukten wird sich dadurch entscheiden, wie hoch der Mehraufwand sein wird, um ein neues Produkt auf den Markt bringen zu können. Die EU-Verordnung lässt in einigen Bereichen den nationalen Staaten einen kleinen, aber oft entscheidenden Spielraum z.B. bei der Wiederaufbereitung von Einmal-Medizinprodukten.
Gschlössl: „Sicherheit hat immer Vorrang. Überzogenes Sicherheitsdenken darf aber nicht dazu führen, dass ein österreichischer Patient nur mehr veraltete Produkte erhält. Innovative Produkte kosten in der Entwicklung sehr viel Geld. Die internationale Konkurrenz und der Kostendruck sind bereits jetzt enorm. Gerade kleinere Unternehmen könnten durch überladene Auflagen und bürokratische Hürden durch Großkonzerne überholt werden. Daher ist es für die heimische Branche von zentraler Bedeutung, wie die neuen Regelungen im österreichischen Gesetz verankert werden. Wir begrüßen ein einheitliches Regelwerk, damit die Unterschiede in den einzelnen Mitgliedsstaaten minimiert werden.“  
Besonders bei Medizinprodukten höherer Risikoklassen wird es darauf ankommen, wie umfangreich man die Studien definiert, damit ein Produkt durch eine benannte Stelle für den Markt freigegeben werden kann. Gschössl: „Dabei ist es natürlich auch wichtig, dass es in  Österreich eine oder noch besser mehrere benannte Stellen gibt. In der EU wurde die Anzahl der Benannten Stellen von über 80 auf rd. 30 reduziert. Das bringt eine massive Verschlechterung des Marktzuganges vor allem für kleine Unternehmen.“
  
Schon jetzt erreichen viele innovative Produkte Österreich nicht mehr

Alleine in Österreich gibt es rund 500.000 verschiedene Medizinprodukte. Die jeweils staatlichen Gesundheitssysteme entscheiden, wie viel ein Hersteller für ein innovatives Produkt verlangen darf oder ihm die Krankenkasse bezahlt. Hier gibt es in den verschiedenen EU-Ländern große Unterschiede.
Gerald Gschlössl: Wir müssen uns als Gesellschaft öffnen gegenüber Innovationen und sie müssen sich rentieren, sonst werden sie nicht entwickelt oder auf einem bestimmten Markt gar nicht angeboten. Es gibt bereits viele Innovationen, die dem österreichischen Patienten nicht zur Verfügung stehen, weil die Hersteller ihre Innovationen nicht mehr verkaufen können. Wer auf der Strecke bleibt, ist der österreichische Patient. Unsere Forderung daher: Es muss verstärkt der volkswirtschaftliche Nutzen einbezogen werden. Innovative Produkte führen dazu, dass Patienten schneller gesund werden, wieder in den Arbeitsprozess integriert werden können und damit dem Sozialsystem weniger kosten. Daher ist eine Entwicklung weg von der Stückkosten- hin zur Prozesskostenbetrachtung notwendig. Hier ist noch ein großer Aufholbedarf gegeben, der möglichst rasch angegangen werden muss.“ 

Bestbieterverfahren

Seit 1. März 2016 ist in Österreich das neue Bestbieterprinzip bei öffentlichen Ausschreibungen in Kraft getreten. Damit soll die Qualität im Vergleich zum Preis einen höheren Stellenwert erhalten und das wirtschaftlich günstigste Angebot gefunden werden. Maßgeblich dafür ist die Höhe des Gesamtauftrages. Diese neue Vorgehensweise betrifft natürlich auch in großem Ausmaß die heimische Medizinproduktebranche, da Krankenhäuser viele Produkte öffentlich ausschreiben. In den nächsten Monaten wird es eine erste Einschätzung geben können, welche Auswirkungen durch diese Neuregelung bei Medizinprodukten erkennbar sind.
AUSTROMED Geschäftsführer Mag. Philipp Lindinger: “Bisher erhielt meist der billigste Anbieter den Zuschlag, nun sollte der Auftrag an den Bestbieter gehen. Gerade bei betreuungsintensiven Produkten, bei denen rasches Service, laufende Schulungen, etc. sehr wichtig sind, kommt es sehr auf die entsprechende Berücksichtigung in der Ausschreibung an. Wird zum Beispiel ein hoher Servicelevel gar nicht in der Ausschreibung explizit gesucht, nützt das schönste Bestbieterverfahren nichts und es wird wieder der billigste Anbieter den Auftrag erhalten. Dies kann auch zu Lasten der Qualität gehen. Prinzipiell begrüßen wir das Bestbieterprinzip – es ist der Weg in die richtige Richtung, die Umsetzung erfordert jedoch ein radikales Umdenken.“

Sparen am Gesundheitssystem führt langfristig zu Mehrkosten

Angesichts der Tatsache, dass wir immer älter werden und auch im hohen Alter noch möglichst gesund sein wollen, ist ein Sparen am Gesundheitssystem allgemein ein Problem. Viele Neuregelungen im Gesundheitssystem führen für die Patienten zu Mehrbelastungen und damit bereits bei der Prävention zu Vernachlässigungen. Das wird langfristig zu Mehrkosten im Gesundheitswesen führen.
Lindinger: „Effizienzsteigerung: Ja! Sparen um jeden Preis: Nein! Zum Beispiel im Bereich  der Telemedizin ist trotz des großen Einsparungspotentials und der Entlastung der Ambulanzen Österreich noch weit weg von einer Regelversorgung. Gerade hier ist eine Verbesserung der Situation für Patient und Gesundheitswesen eindrucksvoll und unkompliziert möglich.“

Neue Medizinprodukte-Kampagne startet in Wien

Mitte September startete die neue AUSTROMED-Kampagne in Wien. Dabei wird mittels  Plakatsujets, Videos, Postkarten und Broschüren auf die Innovationskraft moderner Medizinprodukte aufmerksam gemacht. Lindinger: “Unser Ziel ist es, den Menschen bewusst zu machen, dass das Leben oft so verläuft, das Medizinprodukte notwendig und sehr hilfreich sein können. Und es kann wirklich jeden von uns treffen. Das beginnt beim kleinsten Radunfall."

von li nach re: Gerald Gschlössl, AUSTROMED-Präsident und Mag. Philipp Lindinger, AUSTROMED-Geschäftsführer vor den Sujets der neuen Medizinprodukte-Imagekampagne

Fotocredit: Horak/AUSTROMED

 

 

01.07.2016

Klare Regeln bei der Reparatur von Medizinprodukten

Mehr Schutz für Patienten und medizinisches Personal durch aktuelle Klarstellung 

Neben der regelmäßigen Wartung und Servicierung werden Medizinprodukte im Bedarfsfall auch instandgesetzt, sprich: repariert. Seit einigen Jahren kommt es immer häufiger dazu, dass bei Reparaturen von Medizinprodukten Teile, Substanzen etc. verwendet werden, die nicht den Herstellerangaben entsprechen. AUSTROMED, Wirtschaftskammer und Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) haben daher gemeinsam eine Klarstellung erarbeitet, die seit kurzem die richtige Vorgehensweise konkretisiert. Damit sollen auch Patienten und medizinisches Personal geschützt werden, da Verletzungen aufgrund falsch reparierter Medizinprodukte verhindert werden sollen. Mag. Philipp Lindinger, AUSTROMED Geschäftsführer: „Klarzustellen ist dabei, dass bei der Reparatur von Medizinprodukten entweder Originalteile, Originalhilfsmittel oder -stoffe (z.B. auch Kleber) verwendet werden müssen oder – falls dies nicht möglich ist – gleichwertiges Material im Hinblick auf seine Eignung, Auswahl und technischen Eigenschaften unter Berücksichtigung der Auswirkungen auf das Gesamtprodukt. Zusätzlich dürfen die Instandhaltungen nur von aufgrund ihrer fachlichen Ausbildung und Kenntnisse geeigneten Personen oder Stellen unter Berücksichtigung der Herstellerangaben vorgenommen werden.“

Bei Verwendung von Nicht-Originalteilen entstehen neue Medizinprodukte

Wenn sich eine Firma oder ein Auftraggeber bei der Reparatur von Medizinprodukten nicht an die Vorgaben des Herstellers hält, keine Originalteile oder dazu gleichwertige Ersatzteile verwendet oder selbst nicht geeignet ist, Instandsetzungen an dem Medizinprodukt durchzuführen, entsteht ein neues Medizinprodukt. Lindinger: „Diese Reparatur entspricht dann keiner Instandsetzung gemäß dem Medizinproduktegesetz. Es entsteht ein neue Medizinprodukt, für welches der ursprüngliche Hersteller nicht mehr verantwortlich ist. Wesentlich dabei ist, dass jene Firma, die diese Reparatur in Eigenverantwortung durchgeführt hat bzw. jener Auftraggeber, der die Reparatur durchführen hat lassen, für das neue Produkt den Nachweis der Sicherheit und Wirksamkeit erbringen muss. Dieser Nachweis ist durch ein geeignetes Konformitätsbewertungsverfahren, ggf. unter Einbeziehung einer benannten Stelle, möglich. Nach Durchführung dieses Verfahrens ist eine Konformitätserklärung auszustellen, in welcher bestätigt wird, dass alle grundlegenden Anforderungen erfüllt sind.“

Weitere Informationen unter www.basg.gv.at/medizinprodukte/faq/medizinprodukte


 

 

14.04.2016

Medizinprodukte: Zukunftsbranche im Spannungsfeld zwischen Kosten und Innovation

Hochkarätige Podiumsdiskussion zeigt Ecken und Kanten einer Zukunftsbranche der Gesundheitswirtschaft auf

Von A bis Z – von der Aorta-Klemme bis zum Zahnersatz – begleiten uns Medizinprodukte durch das ganze Leben. Die Medizinproduktebranche hat eine Schlüsselrolle für die Gesundheitswirtschaft – und damit für die gesamte Volkswirtschaft, sagte Ulrike Rabmer- Koller, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich und Vorsitzende des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, gestern Abend im Rahmen der Podiumsdiskussion „Medizinprodukte: Branche mit Zukunft oder Zukunft ohne die Branche?“ Zahlreiche Unternehmer, Experten und Interessensvertreter und Vertreter der Politik sind zu diesem Event gekommen, zu dem die Plattform Gesundheitswirtschaft Österreich in Kooperation mit der AUSTROMED und dem Bundesgremium des Medizinproduktehandels in der Wirtschaftskammer Österreich geladen hatten.

Für beide ihrer Funktionen - sowohl an der Spitze des Hauptverbandes, als auch im Präsidium der WKÖ – liege der Fokus ihrer Tätigkeit darauf, einen zukunftsweisenden Weg für die Wirtschaft zu finden. „Ich habe mir für meine Tätigkeit drei Schwerpunkte gesetzt:

Erstens müssen wir den Patienten in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen. Dazu gehört die bestmögliche Versorgung, deshalb sind Medizinprodukte eine Schlüsselbranche. Der zweite Schwerpunkt liegt auf dem effizienten Umgang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln. Und last, not least, muss ein deutlicher Schwerpunkt unserer Arbeit auf Prävention liegen. Auch da spielt die Medizinproduktebranche eine wesentliche Rolle“. „Ein funktionierendes Sozialsystem und funktionierende Gesundheitsversorgung ist nicht möglich ohne funktionierende Wirtschaft - und das ist wesentlich, um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung abzusichern“, spannte Rabmer-Koller den Bogen von den Medizinprodukten zur Volkswirtschaft.

Wie das Zusammenspiel von Wirtschaft und Gesundheitsversorgung funktionieren kann, skizzierte Anna Vavrovsky von der Academy for Value in Health anhand von Studien zu konkreten Beispielen (Heimsauerstoffversorgung und Selbst-Kathetherismus), die mit Unterstützung der Wirtschaftskammer erstellt wurden. Ziel der Erhebungen war es, die gesamtgesellschaftlichen Kosten dieser Krankheiten zu erfassen. Fazit der Medizinerin: Die indirekten Kosten vieler Krankheiten übersteigen die direkten um ein Vielfaches. Individuelle Versorgung und Begleitung der Patienten dämmt also auch volkswirtschaftliche Kosten ein. „Medizinprodukte sind hoch innovativ, gewährleisten eine optimale Versorgung der Patienten zuhause, sie bedeuten für die Betroffene eine Steigerung der Lebensqualität - und sie sparen effektiv Kosten“, betonte Vavrovsky.

Dass die Branche im Spannungsfeld steht zwischen Innovationsdrang und Kostendruck, zwischen herausfordernden Anforderungen der Gesetzgeber – Stichwort Bundesvergabegesetz - und Wirtschaftlichkeit, das zeigte die anschließende Diskussionsrunde mit Cornelia Buchner-Jirka, Obfrau der Kontinenz-Stoma-Beratung Österreich, Martin Gleitsmann, Leiter der WKÖ-Abteilung Sozialpolitik und Mitinitiator der Plattform Gesundheitswirtschaft Österreich, Gerald Loacker, Abgeordneter zum Nationalrat und Gesundheitssprecher der NEOS, Ulrike Unterer, Leiterin der Abteilung Technisch-wirtschaftliche Forschung im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, und Bernhard Wurzer, Generaldirektor-Stellvertreter im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Trotz unterschiedlicher Ansichten zu diesen Spannungsfeldern waren sich die Experten einig, dass das Zukunftspotenzial der Medizinprodukte-Branche enorm ist und zukunftsweisende Ansätze genutzt werden sollen. Martin Gleitsmann nahm Bezug auf einen Kritikpunkt von Obfrau Buchner-Jirka: „Die von Bundesland zu Bundesland abweichenden Anforderungen sorgen für Kritik, weil sie zu Ungleichbehandlungen der Patienten führen können. Doch die Sozialversicherung arbeitet bereits an einem einheitlichen Leistungsspektrum.“

Auch das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) unterstützt die Weiterentwicklung der heimischen Gesundheitswirtschaft: BMWFW-Expertin Ulrike Unterer führte aus, dass derzeit an einer neuen Life Science Strategie gearbeitet wird, welche die gesamte Wertschöpfungskette, von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung, abdecken soll.

Welche enorme Bedeutung die Gesundheitswirtschaft für die gesamte Wirtschaft hat, zeigen die Zahlen: Jeder fünfte Beschäftigte im Land ist in der Gesundheitswirtschaft oder den von ihr angestoßenen Wirtschaftsbereichen tätig, die Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft lag 2008 in Österreich bei 41,6 Milliarden Euro. „Damit ist die Gesundheitswirtschaft ein stabilisierendes Wachstumsfeld, das gegen den allgemeinen Trend Wachstum und Beschäftigung generieren kann – somit ist dies der Hoffnungsbereich schlechthin!“.

 

Fotobeschreibung von links nach rechts: Dr. Martin Gleitsmann, Plattform Gesundheitswirtschaft; Barbara van Melle, Moderatorin, Dr. Anna Vavrovsky, Gesundheitsexpertin ; Mag. Ulrike Rabmer-Koller, Hauptverband der Sozialversicherungsträger; Mag. Dr. Ulrike Unterer, BMWFW; Cornelia Buchner-Jirka, Kontinenz- und Stomaberatung; Mag. Gerald Loacker, NEOS; Mag. Bernhard Wurzer, Hauptverband der Sozialversicherungsträger.

Fotocredit: Foto4u

 

 

11.02.2016

Gerald Gschlössl ist neuer AUSTROMED Präsident

„Hauptaufgabe ist es, die Rahmenbedingungen für die Branche bei Forschung und Entwicklung zum Wohle der Patienten, Kunden und Mitarbeiter zu verbessern.“

Gerald Gschlössl ist neuer Präsident von AUSTROMED, der Interessensvertretung der österreichischen Medizinprodukte-Unternehmen. Er folgt damit Mag. Friedrich Thomasberger, der aufgrund einer beruflichen Neuorientierung die Funktion Ende 2015  zurückgelegt hat. Gschlössl ist Vertriebsleiter von Lohmann & Rauscher Österreich und seit fast 30 Jahren in der Medizinproduktebranche tätig. Zusätzlich ist Gschlössl Sprecher der Branchengruppe Verbandstoffe und der Arbeitsgruppe Vergabewesen in der AUSTROMED, sowie Sprecher der „Initiative Wund?Gesund!“. Gerald Gschlössl zur Ernennung zum neuen AUSTROMED Präsidenten: „Die Medizinproduktebranche in Österreich ist geprägt von enormen Kostendruck, stetig anwachsenden europäischen Vorgaben sowie politischen und wirtschaftlichen Einflüssen. Diese machen es immer herausfordernder den Patienten  innovative Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung stellen zu können und damit rasch deren Lebensqualität entscheidend zu verbessern.“

Gschlössl weiters: „Unsere Aufgabe ist es die Rahmenbedingungen für die Branche insbesondere bei Forschung und Entwicklung am Standort Österreich zu verbessern. So können wir im internationalen Wettbewerb einen nachhaltigen Mehrwert bieten - für Patienten, Kunden und Mitarbeiter. Angesichts dessen ist es eine große und ehrenvolle Aufgabe für mich, die Führung der AUSTROMED zu übernehmen und die Interessen der Branche im Sinne eines modernen, effektiven österreichischen Gesundheitssystems zu vertreten. Meinem Vorgänger, Mag. Friedrich Thomasberger, der aufgrund seiner beruflichen Neuorientierung die Funktion abgeben musste, möchte ich für seinen langjährigen, unermüdlichen Einsatz und den dadurch erzielten Erfolgen für die gesamte Branche herzlich danken.“

 


 

 

12.11.2015

Innovationskultur braucht hierzulande mehr Mut

AUSTROMED-Herbstgespräche 2015 zum Thema „Kosten, Nutzen und Zukunft von Innovationen im Gesundheitswesen“

Innovationen im Gesundheitswesen nehmen einen immer höheren Stellenwert in der österreichischen Wirtschaft ein. Bei den gestern, Mittwoch, in Wien stattgefundenen AUSTROMED-Herbstgesprächen 2015 standen deren Kosten, Nutzen und Zukunft im Zentrum.
AUSTROMED-Präsident Mag. Friedrich Thomasberger: „Innovationen sind der Motor des Gesundheitswesens. Die Menschen müssen rasch und umfassend von diesen profitieren können. Dafür benötigt Österreich eine echte Trendwende. Es muss unser Ziel sein, dass nicht BEI, sondern MIT Medizinprodukten gespart wird.“

In seiner Keynote beleuchtete Dr. Thomas Czypionka, Leiter des Forschungsbereichs Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik am Institut für Höhere Studien (IHS), eindrucksvoll die steigende Wichtigkeit des Gesundheitswesens als Wirtschaftsfaktor in Österreich. Czypionka: „Weit über 805.000 Menschen arbeiten in Österreich direkt, indirekt bzw. induziert in der Gesundheitswirtschaft. Die erweiterte Gesundheitswirtschaft wächst stärker als die Gesamtwirtschaft und ist daher ein Wachstumsmotor. Innovationen sind vor allem durch Forschungsaufwendungen sehr teuer. Um das Gesundheitswesen langfristig innovationsfreudig zu gestalten, muss es für Unternehmen möglich sein, Gewinne zu machen. Ein Kosten/Nutzen-Gegenüberstellung benötigt neben einer statischen auch eine dynamische Betrachtungsweise.“

Im Anschluss diskutierte das Podium das permanente Spannungsfeld zwischen Kosten und Nutzen im Bereich der medizinischen Innovationen. Dr. Michaela Fritz, Vize-Rektorin für Forschung und Innovation der Medizinischen Universität Wien, schilderte ihre Perspektive aus einer universitären Forschungseinrichtung: „Österreich ist leider teilweise technologiefeindlich. Das beginnt schon bei Wörtern wie „Gen“ oder „Atom“, die hierzulande negativ behaftet sind. Innovationen im Gesundheitswesen stehen direkt im Zusammenhang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln. Die Stanford University beispielsweise hat genauso viel Geld für Forschung zur Verfügung, wie alle österreichischen Universitäten zusammen.“
Eine ganz entscheidende Rolle spielt immer die Tatsache, woran geforscht wird. Der Druck, stetig Fördergelder zu akquirieren und viele bürokratische Hürden zu überwinden, betrifft auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. DI Manfred Bammer, Head of Business Unit „Biomedical Systems“ am AIT Austrian Institute of Technology: „Gute Ideen gibt es hierzulande viele. Wichtig ist, dass diese Ideen auch tatsächlich in Österreich entwickelt werden. Unser Ziel muss es sein, nicht mehr neidvoll ins Silicon Valley oder anderen Entwicklungs-Hochburgen zu blicken, sondern hierzulande neue Systeme zu entwickeln. Es muss deutlich werden, wie sich der Staat an Projekte in Forschung und Entwicklung beteiligen kann und später aus diesen Projekten finanziell profitiert.“

Österreich braucht ein innovationsfreundlicheres Klima

Die Entscheidung darüber, an welchen Schwerpunkten geforscht wird, ist insbesondere von ökonomischen Aspekten beeinflusst. Mag. Bernhard Wurzer, stellvertretender Generaldirektor des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger, beleuchtete hierbei unter anderem die wirtschaftlichen Faktoren der Erstattungsmechanismen. Mag. Wurzer: „In Österreich steht kontinuierlich mehr Geld für Innovationen im Gesundheitsmarkt zur Verfügung. Gesundheit hat sich für viele Unternehmen in den letzten Jahren zu einem interessanten Markt entwickelt. Die Sozialversicherungen haben die Aufgabe, darauf zu achten, was mit den zur Verfügung stehenden Mitteln finanziert werden kann. Das Gesundheitswesen braucht alle Jahre einen Kulturwandel, damit sich die verschiedenen Player nicht zu stark auf das System einstellen können und ihre jeweiligen Vorteile ausnutzen können.“ Einigkeit herrschte am Podium darüber, dass Österreich innerhalb der EU zwar unter den Innovationsführern ist. Allerdings appellierten alle Diskutanten an die Politik, ein noch innovationsfreundlicheres Klima in Österreich zu schaffen, um diesen Spitzenplatz in Zukunft halten zu können. Auch die Forderung an die Politik, mehr Mut im Innovationsbereich zu beweisen, teilten die Diskutanten.
Dieser Einschätzung schloss sich neben den Expertinnen und Experten auch Wolfgang Wagner, Medizinjournalist und leitender Redakteur, an: „Um Innovationen im Gesundheitswesen schaffen zu können, müssen sie heutzutage gefördert werden. Dies passiert in Österreich z.B. bei klinischen Studien im Vergleich mit anderen Ländern in einem viel zu geringen Ausmaß. Damit die Innovationen für die Menschen auch erreichbar sind, muss das Bestbieterprinzip forciert werden.“
Die diesjährigen Herbstgespräche waren ein außerordentlicher Erfolg. Rund 100 Gäste nahmen an der Veranstaltung teil und nutzten im Anschluss an die Podiumsdiskussion die Möglichkeit zu einem angeregten Erfahrungsaustausch und Networking.

 


 

 

09.11.2015

Gebühren dürfen keinen Steigerungsautomatismus erhalten

AUSTROMED spricht sich vehement gegen die geplante automatische Anpassung der Gebühren für Medizinprodukte aus – Protestnote an die Politik

Mit dem Budgetbegleitgesetz 2016 soll eine vollautomatische jährliche Erhöhung der Gebühren für die Bundesämter für Ernährungssicherheit und für Sicherheit im Gesundheitswesen gesetzlich verankert werden. Durch die Anpassung an den Verbraucherpreisindex würden diese Gebühren bereits mit kommendem Jahr steigen. Das würde nicht nur Gesundheitsprodukte verteuern, sondern auch die heimische Wirtschaft massiv belasten und Arbeitsplätze gefährden.
Mag. Friedrich Thomasberger, Präsident von AUSTROMED: „Gebühren werden derzeit fast überall eingefroren. Gerade im Gesundheitswesen stehen Maßnahmen zur Senkung der Kosten an der Tagesordnung. Davon sind auch die heimischen Medizinprodukteunternehmen massiv betroffen. Es kann nicht sein, dass Unternehmen an allen Ecken und Enden den Gürtel enger schnallen und Behörden versuchen, eine Steigerung ihrer Einnahmen gesetzlich zu automatisieren.“
Die Überwachung und Überprüfung von Medizin- und Gesundheitsprodukten durch die Bundesämter ist gesetzlich vorgeschrieben. Die öffentliche Hand hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr aus ihrer Verantwortung zur Finanzierung dieser Ämter zurückgezogen. Grundsätzlich sollten die Kosten durch die bestehende Medizinprodukteabgabe erfolgen. Doch in der Zwischenzeit finanzieren sich die Ämter fast ausschließlich durch Gebühren auf Gesundheitsprodukte.
Thomasberger: „Eine vollautomatische Gebührenerhöhung, wie sie im Artikel 15 § 6a Abs. 8 der Änderungen des Gesundheits- und Ernährungssicherheitsgesetzes geplant sind, ist kontraproduktiv zu den Anstrengungen der gesamten Branche die Kosten für die Patienten und das Gesundheitssystem zu senken. AUSTROMED spricht sich daher gegen diesen geplanten Gebührenerhöhungs-Automatismus aus und wird diese Position in einer entsprechenden Protestnote den Parlamentsparteien präsentieren.“


 

 

19.08.2015

Mundspatel, OP-Handschuhe und Co. bald mehrfach verwendbar?

Spar-Wahn in der EU treibt aktuell sonderbare Blüten - Sicherheit der Patienten könnte damit massiv gefährdet werden

Wer kennt nicht die Situation beim Arzt, wenn er sich mit Hilfe eines Mundspatels aus Holz einen besseren Einblick in den Rachenraum verschafft. Bald könnte es sein, dass bereits ein Patient davor dieselbe Spatel im Mund hatte. Noch im September sollen EU-Parlament, EU-Rat und EU-Kommission eine neue Medizinprodukte-Verordnung fixieren. Diese ist auch für Österreich unmittelbar bindend, beinhaltet aktuell aber noch einige sonderbare Blüten. AUSTROMED-Geschäftsführer Mag. Philipp Lindinger: „Die Möglichkeit der Wiederaufbereitung von Einweg-Medizinprodukten stellt ein kaum einschätzbares Risiko für Patienten dar, vom ethischen Aspekt ganz abgesehen. Reste von Blut, Speichel usw. sind in vielen Fällen nicht zu 100 Prozent entfernbar. Die Erlaubnis, derart verunreinigte Medizinprodukte z.B. alleine durch Desinfizierung und Sterilisierung wieder aufzubereiten, würde unser Gesundheitssystem um Jahrzehnte zurückwerfen. Mit dem Kostenargument sind solche Vorschläge alleine nicht erklärbar, meist kommt die Anschaffung eines neuen Medizinprodukts günstiger.“

Zusätzlich empfiehlt der EU-Rat, dass jedes EU-Mitgliedsland selbst seine Regeln bezüglich der Wiederaufbereitung machen darf. So würden eine Vielzahl von Varianten eines Originalproduktes geschaffen werden, die unterschiedlich hohe Sicherheitsniveaus aufweisen. Krankenhäuser würden sogar davon ausgenommen sein, den gleichen hohen Sicherheitsanforderungen  wie bei Originalherstellern notwendig, folgen zu müssen. AUSTROMED-Geschäftsführer Lindinger: „Dies widerspricht dem Gedanken einer einheitlichen europäischen Vorgehensweise. Ein Produkt könnte in einem Land mit niedrigen Auflagen aufbereitet werden und in einem anderen Land Verwendung finden. Die Patienten hätten keinen Einblick und wären diesem Wildwuchs hilflos ausgeliefert.“

Neue Verordnung führt zu untragbarer Belastung von Herstellern 

Auswertungen zeigen deutlich, dass aktuell das europäische und US-amerikanische System für die Zulassung von Medizinprodukten gleich sicher sind. Das europäische System ist aber um 50 bis 70 Prozent schneller, sodass ein EU-Patient zwei bis drei Jahre früher als in den USA ein innovatives Produkt erhält. Die neue Verordnung sieht für die Zulassung spezieller Produkte noch mehr Bürokratie, Kontrollauflagen und Administrationsaufwand vor. Und das, obwohl das Sicherheitsniveau schon überdurchschnittlich ist. Anlass für diese Maßnahmen dürften die Vorfälle mit gefälschten Brustimplantaten in Frankreich sein. 

Lindinger: „Kriminelle Machenschaften können mittels dieser Anlassgesetzgebung nicht verhindert werden. Es ist kein Zulassungs-, sondern ein Vollzugsproblem. Klein- und Mittelbetriebe sollen durch die geplanten Auflagen in einem untragbaren Ausmaß behindert werden, was die Innovationskraft senkt und die Kosten der Produkte erhöht. Das kann nicht im Sinne der Patienten sein.“

AUSTROMED hat in den vergangenen Tagen und Wochen Positionspapiere und Stellungnahmen zu dem vorliegenden Entwurf der Medizinprodukte-Verordnung abgegeben. Damit soll aufgezeigt werden, dass die Umsetzung dieses Entwurfes zu einer enormen Benachteiligung von Herstellern und einer Schlechterstellung der Patienten führt. Lindinger: „Grundsätzlich soll mit der Verordnung die Patientensicherheit erhöht werden, was man anerkennen muss. In manchen Punkten sollten aber der Hausverstand und die Erfahrungen der vergangenen Jahre zählen und nicht mit überschießenden Aktionen aufgefahren werden, die dem Patienten mehr schaden als ihn schützen.“


 

 

17.04.2015

AUSTROMED fordert Qualität statt Mindestversorgung im Gesundheitswesen

 

Ausgabenobergrenzen und andere einseitige Sparmaßnahmen gefährden hochwertige Patientenversorgung in Österreich

"Spardruck im Gesundheitssystem darf nicht auf Kosten der Patienten gehen!" Mag. Friedrich Thomasberger, Präsident von AUSTROMED, der Interessensvertretung der österreichischen Medizinprodukte-Unternehmen, sprach sich im Rahmen der gestern stattgefundenen Hauptversammlung für eine stärkere Berücksichtigung von Qualität und Innovation im österreichischen Gesundheitswesen aus.
"Einsparungsmaßnahmen im Gesundheitssystem sind grundsätzlich erwünscht. Wenn sie jedoch zu minderwertigen Produkten führen, dann sind sie fehl am Platz. Medizinprodukte spielen von der Prävention über Diagnostik und Therapie bis hin zur Rehabilitation eine tragende Rolle. Mit Ausgabenobergrenzen und Deckelungen wird hingegen verhindert, dass Patienten mit innovativen und hochwertigen Produkten versorgt werden", so Thomasberger.

Bestbieterprinzip ist notwendige Basis für hochwertige Produkte

Mag. Thomasberger zog ein positives Resümee über die Tätigkeiten von AUSTROMED im vergangenen Jahr und stellte die Aktivitäten und Herausforderungen der Medizinproduktebranche für 2015 dar. Thomasberger: "Vor allem im Schwerpunktbereich Forschung, Technologie und Innovation ist es dringend notwendig, für unsere Branche geeignete Rahmenbedingung zu schaffen. Die Konsequenz wäre, dass wir nicht mehr wettbewerbsfähig sind und europaweit an Boden verlieren."
Darüber hinaus sprach sich der AUSTROMED-Präsident für eine Optimierung der Vergabepraxis bei öffentlichen Ausschreibungen aus. Er fordert in diesem Zusammenhang bei der Auftragsvergabe nach dem Bestbieter- und nicht nach dem Billigstbieterprinzip vorzugehen. Thomasberger: "Nur so kann langfristig die Basis für eine hochwertige Patientenversorgung geschaffen werden."

Keynote-Speaker McDonald: Gesundheitsausgaben sind Investitionen

Für die diesjährige Hauptversammlung konnte AUSTROMED Mag. Peter McDonald, Vorsitzender des Verbandvorstands im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, gewinnen. McDonalds Keynote stand ganz im Zeichen der Modernisierung des österreichischen Gesundheitswesens: "Ziel der Sozialversicherung ist es, die Finanzierung der Versorgung nachhaltig sicherzustellen. Wir nehmen den Menschen die Sorge um ihre soziale Sicherheit, damit sie den Kopf dafür frei haben, sich den Herausforderungen ihres Lebens zu widmen. Wir müssen wegkommen davon, Ausgaben im Gesundheitswesen nur als Kosten zu sehen, sondern sie auch als Investitionen begreifen. Es ist wichtig, dass wir künftig mehr über den Nutzen diskutieren und nicht nur über Kosten. Gute Qualität kostet viel, schlechte Qualität kostet aber noch viel mehr. Aber auch In der persönlichen Gesundheitsvorsorge ist es notwendig, ein größeres gesellschaftliches Bewusstsein zu erreichen."

Mag. Sandra Proprenter neues AUSTROMED Vorstandsmitglied

Im Rahmen der Hauptversammlung wurde der bestehende Vorstand in seiner Funktion für eine Amtszeit von drei Jahren bestätigt und um ein zusätzliches Mandat erweitert. Mag. Sandra Proprenter, Geschäftsführerin von ERBE Austria, wurde dabei als zusätzliches Mitglied in den AUSTROMED Vorstand aufgenommen.

 


 

 

19.03.2015

Gesundheit als Wirtschaftsfaktor

 

Über 16 % der österreichischen Wertschöpfung werden durch "Bedürfnis der Menschen nach Gesundheit" ausgelöst - bestmögliche Rahmenbedingungen für Unternehmen sicherstellen


"Eine starke heimische Gesundheitswirtschaft ist ein wesentlicher Baustein eines erfolgreichen Gesundheitssystems in Österreich und zugleich ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Wir müssen daher stetig an der Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Unternehmen in diesem Bereich arbeiten, damit die Potenziale am Standort bestmöglich genutzt werden können", so IV-Niederösterreich-Geschäftsführerin Michaela Roither bei der Eröffnung der Veranstaltung "Gesundheit als Wirtschaftsfaktor" im Namen der Gastgeber Industriellenvereinigung Wien, Niederösterreich und Burgenland und des Kooperationspartners AUSTROMED.

Gesundheitswesen neu betrachtet

Thomas Czypionka, Head of IHS HelthEcon, hob in seinem Impulsreferat die wichtige Rolle des Gesundheitsbereichs als Wirtschaftsfaktor hervor: "Der Gesundheitsbereich darf nicht nur als Kostenfaktor begriffen werden. Das Bedürfnis der Menschen nach Gesundheit stellt eine wesentliche Antriebsfeder der österreichischen Wirtschaft dar. Der Kernbereich, also Spitäler, Praxen usw., stößt durch seinen Vorleistungsbedarf auch andere Sektoren an und setzt dort Menschen in Arbeit. Auch über die klassische Gesundheitsversorgung hinaus fragen Menschen Gesundheitsgüter nach. Durch das Bedürfnis nach Gesundheit werden somit insgesamt 16,22 Prozent der österreichischen Wertschöpfung ausgelöst, fast jeder fünfte Beschäftigte erhält dadurch Arbeit."

Chancen für die Gesundheitswirtschaft in Österreich

"Die Wiener städtischen Spitäler und Pflegewohnhäuser garantieren Spitzenmedizin für alle, unabhängig von Einkommen, Alter, Herkunft oder Geschlecht. Nur eine starke öffentliche Hand im Gesundheitswesen bietet den Wienerinnen und Wienern diese Sicherheit", unterstrich die amtsführende Wiener Stadträtin für Gesundheit und Soziales Sonja Wehsely im Interview mit Moderatorin Corinna Milborn, Informationsdirektorin ProSieben.Sat1.PULS4. Für Wehsely steht fest: "Eine gut aufgestellte Gesundheitswirtschaft unterstützt das öffentliche Gesundheitswesen und sorgt in einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit für die beste medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten."

Versorgungsqualität vs. Kostendruck

Die anschließende Podiumsdiskussion mit Vertretern aus der Industrie stand unter dem Titel "Versorgungsqualität vs. Kostendruck - Risiken & unerwünschte Nebenwirkungen für den Industrie- und Arbeitsstandort Österreich".

"Wenn in der österreichischen Gesundheitswirtschaft nur noch das Billigstprinzip Schule macht und zusätzlich noch die forschenden Firmen bei der Förderung genau dann alleine gelassen werden, wenn die Kosten massiv werden - klinische Studien werden von der FFG nicht gefördert! -, dann ist der Standort in naher Zukunft für innovative Firmen untauglich", spitzte Werner Frantsits, Vorstandsvorsitzender der SANOCHEMIA Pharmazeutika AG, die Diskussion aus seiner Sicht zu.

Wolfgang Köppl, Leiter des Sektors Healthcare CEE bei der Siemens AG Österreich, brachte Beispiele dafür, welchen Beitrag die verstärkte Anwendung moderner Lösungsansätze und Technologien zur Effizienz- und Qualitätssteigerung im Gesundheitsbereich leisten könnte: "Technologie ist ein unersetzbarer Faktor, um das Gesundheitssystem effektiv und zu erschwinglichen Kosten zu gestalten. Innovationen der Medizintechnik-Branche bilden das Fundament dafür, dass die richtigen Therapieentscheidungen für die passenden Patienten zum bestmöglichen Zeitpunkt getroffen werden können. Darüber hinaus muss ein enger vernetztes Zusammenarbeiten in allen Disziplinen der Medizin gefördert werden - durch die verstärkte Nutzung von anonymisierten Daten, die mit bildgebenden Systemen generiert werden und den Ausbau der IT-Landschaft."

"Ein wesentlicher Meilenstein in der nachhaltigen Kostenoptimierung wäre, die Entscheidungsträger von einem Schwenk weg von der Stückkosten- hin zu einer zeitgemäßen Prozesskostenbetrachtung zu überzeugen. Innovative Produkte sowie Behandlungsmethoden steigern die Effizienz und senken gleichzeitig die Kosten", unterstrich Philipp Lindinger, Geschäftsführer von AUSTROMED, der Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen. Sein Fazit: "Nicht BEI Medizinprodukten soll gespart werden, sondern MIT Medizinprodukten!"